Buchvorstellung und Diskussion mit Timo Daum zu seinem neusten Buch „Lob der Überwachung“ im Nautilus Verlag. Der Autor hält im Überwachungskapitalismus nicht die Überwachung sondern den Kapitalismus für das Problem. Timo Daum streitet für eine „positive Überwachungspolitik“.
Überwachung und Datenerfassung genießen keinen guten Ruf. Ob durch staatliche Akteure oder Digitalunternehmen – sobald Informationen über uns gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden, denkt man an Stasi, autoritäre Überwachungsdystopien, die Allmacht der Tech-Konzerne.
Auch zivilgesellschaftlich werden Datenschutz und Privatsphäre hochgehalten und eine strenge Regulierung der Konzerne gefordert. Daum hingegen sieht Privacy und Datenschutz als bürgerliche Kategorien an, die letztlich ein Privateigentum im Digitalen konstituieren. Statt sich die Potentiale des digitalen Wandels progressiv anzueignen, tappe man in die Falle einer konservativen Kritik und der Vorstellung einzelner isolierter Datenbesitzer:innen.
Timo Daum fordert stattdessen, Überwachung positiv zu denken – als Produktivkraft, als Form der Sorge, als Möglichkeit guten Regierens. Denn Überwachung könne auch bedeuten, Vermieter:innen und Eigentümer:innen an Preistreiberei zu hindern, Raser:innen im Straßenverkehr auszumachen, Finanz- und Steuerverbrechen aufzudecken – oder den Grundstein für ein postkapitalistisches, bedarfsorientiertes Wirtschaften zu legen.
Daum möchte sein „Lob der Überwachung“ nicht als geschichtsvergessene Romantisierung autoritärer Systeme verstanden wissen, sondern als Versuch, die technischen Möglichkeiten, die der Überwachungskapitalismus geschaffen hat, für eine Zukunft ohne Kapitalismus nutzbar zu machen.

Zur Person: Timo Daum ist Universitätsdozent und Autor. Zuletzt lehrte er am Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Wien „Politische Ökonomie der Daten“. Er ist Dissertationsstipendiat der Rosa Luxemburg Stiftung. Sein Buch „Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie“ erhielt den Preis Das politische Buch 2018 der Friedrich-Ebert-Stiftung. 2019 und 2020 erschienen „Die künstliche Intelligenz des Kapitals“ und „Agiler Kapitalismus“ bei Nautilus, zuletzt „Big Data China. Technologie – Politik – Regulierung“ (Mandelbaum 2023). Timo Daum lebt in Wien und Berlin.
Foto: Michelle Lischke
Wo? Palmaille 96, 22767 Hamburg (Nahverkehr: S-Bahn Königstraße/ Bus Behnstraße)
Wann? 18:30 Uhr (Einlass 18 Uhr)
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